Laurentius
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Erstellt von: Georg Röttinger
Herstellungsjahr: um 1628 und 1909
Technik: Illustration aus der Handschrift Chronicon sowie Glasmalerei
Überaus sorgfältig und detailliert gemalt erscheint der heilige Laurentius in einer Buchillustration des frühen 17. Jahrhunderts im Teil Chronicon des Klosterbands.105 Die Illustration gehörte nicht zur geschichtlichen Schrift, sondern zu einem Gedicht, das der Priester Johannes Modelius als Gratulation für Prior Bruno Müller verfasste. Dieses Gedicht ist seinerseits ein sprachliches Kunstwerk, ist es doch eine sich über zwei Seiten hinziehende Elegie von insgesamt 48 Zeilen, fast immer mit je fünf Wörtern, wovon jedes einzelne mit L beginnt! Das Gedicht trägt den Titel «Laurentiana Servia» (Laurentius-Kränzchen). Modelius widmete es neben dem Prior auch dem Vikar 106 und dem Procurator 107 und übergab es am 10. August 1628. Trotz der fast unglaublichen Beschränkung auf Wörter mit dem Anfangsbuchstaben L und dem fehlerlos durchgehaltenen Versmass gelang Modelius sogar noch eine Aussage. Er spricht von der Freude über den Schutzheiligen und dessen Verdienste, der zu Recht mit dem Lorbeerkranz ausgezeichnet worden sei.
Auf dem Bild steht der heilige Laurentius vor zwei mächtigen Säulen, die links auf hohen Postamenten ruhen, aber grossteils von einem Vorhang verdeckt sind. Der Heilige, gekleidet in eine Dalmatik, das Amtskleid des Diakons, von prachtvollem, blauem Damast mit silbergelbem Muster und gelber Borte, hält in der einen Hand ein Buch, in der anderen den Rost samt Siegespalme. Rechts, ganz klein in den Hintergrund gerückt, erleidet er sein Martyrium auf dem Rost. In der rechten oberen Ecke erscheint in einem Wolkenloch ein kleiner Engel und streckt dem Heiligen einen Lorbeerkranz entgegen, in der anderen Hand einen weiteren Palmzweig haltend. Unten steht ein vierzeiliges lateinisches Gedicht, das übersetzt ungefähr lautet: «Über glühenden Kohlen – wunderbar zu sagen – wächst mit der Palme der Lorbeer und die Liebe zu Gott. Empfang nun mit der Palme des Sieges die Palme des Himmels, verlass deinen Rost und ergreife den Lorbeerkranz».
Auch die Laurentius-Miniatur aus dem Klosterband wurde – wie die Miniaturen zur Geschichte Ittingens – von Georg Röttinger 1909 auf einem Glasgemälde nachgeschaffen.108 Abgesehen von der Gestaltung des Bodens, die mit derjenigen in den Geschichtsbildern übereinstimmt, hat er seine Vorlage recht genau übertragen.
105 23,5 × 15 cm.
106 Vermutlich Eusebius Wendelstein.
107 Vermutlich Heinrich Murer.
108 Stiftung Kartause Ittingen, Inv. SKI 152, 44,2 × 34,4 cm.